Für den Klimaschutz in die Pedale

Tag 1: Luisenschule / Grashof nach Rees (eigentlich Xanten) - 81 km

Wir sind von der jeweiligen Schule mit den besten Wünschen gestartet. In Essen haben wir uns gefunden und die gemeinsame Weiterfahrt aufgenommen. Das Wetter hat uns geschmeichelt. Der niedrige Wasserstand hat allerdings dazu geführt, dass wir weder in Duisburg noch in Xanten den Rhein queren konnten, da alle Fähren den Dienst eingestellt hatten. Und das in beinahe Sichtweite unserer geplanten Unterkunft. Der Vermieter der „Hühnerwiese“ hatte größtes Verständnis und hat die Kostenlose Stornierung ermöglicht. Glücklicherweise konnten wir umbuchen. Wir hatten noch 15km extra bis Rees und haben Unterkunft im Lindenhof gefunden. Sogar die Küche war noch geöffnet, obwohl es bei der Ankunft schon lange dunkel war. Die Nacht hat gut getan.

Tag 2: Rees nach Putten - 93,4 km

Beim Aufwachen hören wir schon an den Reifengeräuschen der Autos, dass die Straße nass ist. Der Wetterbericht hatte also eine (leider) richtige Prognose getroffen. Nach einem leichten Frühstück und einem interessanten Gespräch mit einen Tornado-Piloten sattelten wir im leichten Regen unsere Drahtesel. Der Regen war glücklicherweise nicht durchdringend. Wir durchquerten Emmerich, füllten bei Aldi Süd unser Trinken auf, passierten die Grenze und lernten einen anderen Stellenwert des Radelns kennen. Die Art der Fahrradwege zeigte uns, woher hier der Wind weht. Erste Ausläufer der Arnheimer Berge beeindruckten uns. Die Niederlande sind doch nicht so eben wie ein flacher Teller… Durch Arnheim zu fahren war eine Offenbarung. Breite, durchgehende Fahrradwege - die Stadt lag ruckzuck wieder hinter uns. Und dann fuhren wir lange Zeit an einem Militärgelände/ Nationaal Park Hoge Veluwe entlang und begegneten dabei vielen militärischen Fahrzeugen und sogar Soldaten im Laufschritt. Danach hielten wir in einem Ort, stärkten uns mit Kuchen und waren erstaunt über einen enormen Feierabendverkehr. Unsere Route führte uns schließlich auf den letzten 25 Kilometern weg von dichterer Bebauung in ein sehr naturnahes Gebiet. So einsam radelt man selten in Wald und Heide- auf fast perfekten Radwegen! Leider setzte ausgerechnet auf der letzten Etappe das Navi aus und das Handynetz half auch kaum noch, sodass wir nur noch grob die Himmelsrichtug einhielten. Als wir eine Straße mit Radweg, und damit auch anderen Radfahrern, erreichten, erfuhren wir, dass wir das Hotel um weniger als zwei Kilometer verfehlt hatten. Nach der kleinen Kurskorrektur erreichten wir unsere Unterkunft, deren Fahrradschuppen sehr viele Fahrräder, heute auch unsere, unterbringen konnte. Nach einem Kaltgetränk lockte nur noch das Bett.
Gute Nacht!

Tag 3: Putten nach Amsterdam - 66,6 km

Heute Morgen starteten wir vom Fletcher Hotel nach einem durchschnittlichen Frühstück in den kalten, aber sonnig nebeligen Wald. Nach einigen Kilometern wechselten wir auf den Deich und blieben gut 30km am Wasser. Das Wort, dass diesen Abschnitt am besten beschreibt: Wunderschön! Schwärme von Vögeln unterschiedlichster Arten sammelten sich in den von Schilf geschützten Uferbereichen. Verstreute, idyllische Häuser weckten Sehnsucht. Ein von Gras überwachsener Bunker mit einer weißen Jahreszahl aus dem letzten Jahrhundert holte den Betrachter aber schnell wieder ein. So auch die Hauptverkehrswege, denen wir eine kurze Zeit folgen mussten und die Lawinen von Blech in die Stadt leiteten. In der Stadt aber das mittlerweile bekannte Bild: Fahrräder in unglaublicher Zahl. Hohe Dichte, hohe Geschwindigkeit und doch kein böses Wort! Oskar und ich trennten uns am Stadteingang und radelten auf unterschiedlichen Routen zur Jugendherberge „Stayokay Vondelpark“. Ein Abenteuer für Vater und Sohn. Wir kamen fast zeitgleich an der Unterkunft an- Sohn vor Vater… Nach dem Check in begaben wir uns noch kurz in die Umgebung um kulinarisch neue Wege zu beschreiten und die Erfahrung zu machen, das Apotheken in Bezug auf Ibuprofen hier sehr viel günstiger sind. Ich habe mir vorgestern das Knie vertreten und die Kilometer werden beschwerlicher. Zurück in der Jugendherberge listeten wir die Nachzüglerbestellungen ordentlich auf und ließen die Ruhe von uns Besitz ergreifen. Morgen wird ein Tag voller Aufregung und Anstrengung.
Gute Nacht!

Tag 4: Der große Tag: Amsterdam - Chocolatemakers - Putten - 7km + 72km

Heute morgen sind wir ausgeruht und gleichzeitig elektrisiert aufgewacht. Duschen, packen, frühstücken - Routine half, den Kopf klar zu halten (fast, denn beim Checkout vergaßen wir, uns eine Rechnung geben zu lassen). Beim Frühstück um 7.30 Uhr waren wir noch fast allein. Der Speisesaal der Jugendherberge war wunderschön eingerichtet. Wir saßen in einer Art Gewächshaus. Im Anschluss sattelten wir die Räder und erzeugten schon einige Aufmerksamkeit. Wir erzählten von dem Projekt und wurden mehrfach gefragt, ob Schüler mit dabei wären (was wir für einen bejahen konnten ;-). Dann machten wir uns durch eine sehr ruhige Innenstadt auf den Weg zur Schokoladenfabrik. Die Anspannung stieg. Wieviel Schokolade wartete auf uns? Wieviele Radfahrer würden dort sein? Wird es ein Hauen und Stechen werden? Wir kamen an und wurden mit Applaus und lieben Worten empfangen. Wir waren mit die ersten. Es war viel Herzlichkeit. Wir stellten die Räder vor das Tor.

Tag 5: Putten - Rees - 89 km

Nach einem entspannten Frühstück am Sonntagmorgen, 8.00 Uhr und der Speisesaal war gut besucht, sind wir wieder auf die Drahtesel gestiegen. Wir wollten ihnen die Sporen geben, jedoch forderten die Vortage und die kostbare Last ihren Tribut. In Verbindung mit dem Umstand, die Arnheimer Höhen erklimmen zu müssen, 90 Meter hören sich nach nichts an, aber zwischendurch ging es ja auch wieder hinunter, ließen wir es doch etwas ruhiger angehen. Das sehr wellige Gelände durch die Heidelandschaft und durch das Waldgebiet überstand der Hänger gut. Dieser Umstand ist hier zu erwähnen, da die zulässige Last, ohne eine Waage bemüht zu haben, mit Sicherheit überschritten war. Dennoch war ich wieder froh, mich für den Einspurer (Topeak Journey) mit einer maximalen Zuladung von 32kg entschieden zu haben und nicht für den Zweispurer (Hinterher HMax), auf den wir 65kg hätten Laden können. Das Gelände und auch der Dichte Fahrradverkehr in der Stadt begünstigen einfach den Einspurer.

Man merkte uns die Anstrengung auch an unsere Wortkargheit an. Der Lautsprecher kam zum Einsatz und Musik und Hörspiele spendeten Motivation durch Ablenkung. Da wir die Baustellen vom Hinweg schon kannten, verkürzte sich glücklicherweise unser Rückweg etwas. Dabei waren nicht die Kilometer entscheidend, sondern das Gefühl,eine gewisse Strecke vergebens gefahren zu sein.

In Arnheim hatte, trotz des Sonntages, ein Discounter geöffnet. Aldi ließ uns die Getränke auffüllen und nach ein paar Gesprächen auf dem Parkplatz (Bewunderung spielte dabei eine große Rolle und die Aktion „Schokofahrt“ war teilweise schon bekannt) und einer kleinen Stärkung nahmen wir die Fahrt wieder auf. Arnheim war nicht nur von der Höhe her der Scheitelpunkt. Auch von der Tagesetappe war es die Mitte. Zudem rückte die Landesgrenze näher und damit das Bewusstsein, das unsere Mission sich dem Ende hin neigte. Bald schon überquerten wir die Landesgrenze. Bedauerlicherweise fiel es uns weniger an den Radwegen auf als vielmehr am Müll, der überall links und rechts im Seitenstreifen zu sehen war. Das wurde und jetzt wieder bewusst, wie sauber die Straßen in den Niederlanden waren. Ich schämte mich beinahe, hier zu Hause zu sein.

In Elten war Jahrmarkt. Donnerstag war schon der Ortskern gesperrt gewesen, heute der letzte Tag der Veranstaltung. Uns kam die Zeit viel länger vor! Oskar brauchte eine Pause. Die Pause war hart verdient und auch mir mehr als willkommen. Sollte ich ein Lebkuchenherz mitbringen? Während ich auf die Räder und die Fracht aufpasste und Telefonate führte, räumte Oskar die Dosen ab. Neben einem Feuerzeug bekam er auch einen Laserpointer. Wir Menschen sind halt einfach gestrickt. Ein wenig Zucker, etwas Scheppern und Feuer und wir sind zufrieden.
Weiter ging die Fahrt. Nicht mehr klar war aber, ob wir Kilometer fraßen, Oder die Kilometer uns. Nach Bienen, der ältesten Hansestadt am Niederrhein, welche wir nach wenigen hundert Metern durchquert hatten, erreichten wir bald unser Ziel. Rees und das Hotelrestaurant Doppeladler. Es gab auch hier eine gute Möglichkeit, die Räder abzustellen. Die Tür vom Fahrradraum, 20 Räder passen hier bestimmt rein und die Tür zu unserem Zimner waren nur einen Meter voneinander entfernt - ein Segen in Anbetracht unseres Gepäckvolumens.

Wir hatten sicherheitshalber einen Tisch für das Abendessen reserviert, auf dem Hinweg nach Amsterdam aber einen Auftrag angenommen. Die ältere Dame vom Lindenhof, die uns vor vier Tagen beherbergt hatte, hatte Oskar gebeten, ihr eine Tafel mit 100% Kakao mitzubringen. Oskar hatte sich heute schon mehrfach darauf gefreut, ihr diese Tafel zu überbringen. Und nun war es soweit. Wir stornierten den Tisch für das Abendessen im Doppeladler, gingen auf die andere Straßenseite zum Lindenhof und freuten uns, dass diese ältere Dame tatsächlich da war. Sie hatte Wort gehalten und war sehr überrascht, dass wir es auch getan hatten!

Wir nahmen auf der Terrasse Platz um zu essen. Kaum saßen wir, wich die Anspannung. Kälte machte sich breit. Wir wechselten den Tisch und zogen in den Gastraum. Die ältere Dame, die Chefin, wie sich herausstellte, freute sich sehr, brachte uns sofort die gleichen Getränke wie vier Tage zuvor (das hatte sie sich gemerkt!) und sprach Oskar auch direkt mit seinem Namen an. Allerdings schien sie mit Schmerzen zu kämpfen. Chefin zu sein hat wohl auch Nachteile.

Nach Grünkohl und Burger waren wir beiden Radler uns schnell einig, zur Ruhe zu kommen und den Tag mit Matratzenhorchdienst zu beenden. Der Schlaf kam schnell und beendete die Gedanken an den bevorstehenden letzten Tag abrupt.

Tag 6: Rees - Mülheim/Essen 76km

Der Morgen war anstrengend. Einerseits war der Gedanke unmotivierend, dass heute der letzte Tag dieses Abenteuers sein sollte, andererseits steckten die vielen Kilometer der Vortage in den Knochen, vor allem vom Vortag mit den Höhenmetern.
Wir packten dennoch sorgfältig ein, gingen zum Frühstück in den Doppeladler, das Frühstücksbuffet war überzeugend, aber Oskar hatte nur einen schwachen Appetit.

Danach beluden wir die Räder, checkten aus und starteten in den idyllisch nebeligen Tag mit einer blassen Sonnenscheibe hinter den Schwaden mit wunderschöner Corona.

Ein Discounter (nennen wir ihn „ROWO“) versorgte uns mit Getränken und wir nahmen Fahrt auf. Wir fuhren einen Fahrradweg entlang einer Hauptstraße Richtung Wesel zwischen einem Fluss auf der einem und einer Bahnstrecke auf der anderen Seite. Der morgentliche Berufsverkehr schien schon vorüber gewesen zu sein, entwickelte sich der Gedanke, wie sich so eine Fahrt wohl mit einer Gruppe von Schülern gestalten könnte. Bei den Chocolatemakers hatte ich am Samstag gehört, dass es schon zwei bekannte Modelle gäbe: Lehrer waren schon mit einer Gruppe angereist und hatten nach der Führung und der Verköstigung wieder mit den FairTrade-Produkten beladen die Heimreise angetreten. Aber auch die Variante, dass sich zwei Schüler ein Fahrrad teilten (während ein Teil der Schüler mit den Fahrrädern angereist war, hatten die anderen den Zug genommen. Die Rückreise war umgekehrt verlaufen.) hatte es schon gegeben.

Der Weg nach Wesel war reizvoll. Kurz vor Wesel war ein Radfahrer auf dem Deich liegengeblieben. Der Reifen seines Hängers hatte einen Platten. Wir konnten mit einer Pumpe helfen und der Radler war froh, denn er gab an, dass schon etliche Radler ohne Pumpe vorbeigekommen waren.

Am Ortsausgang kam es dann zu einer ganz besonderen Begegnung. Eine Gruppe von Radfahrern kam aus einer Seitenstraße, schloss zu uns auf und der Spitzenfahrer behauptete überraschend, dass er uns kennen würde. Sie hätten uns am Vortag schon aus größerer Entfernung gesehen und erkannt, wofür wir fahren würden. Ob dieses Unstandes überrascht, munterten wir diese Gruppe näher und uns fiel es plötzlich wie Schuppen von den Augen. Diese Gruppe hatte zwei Tage zuvor neben uns auf dem Hof der Chocolatemakers ihre Räder beladen. Unser Weg überschnitt sich nur ein paar hundert Meter hinterließ aber mächtig Eindruck, zumal diese Radler Kassel als Ziel hatten!

Im Laufe unserer heutigen Fahrt kamen wir wiederholt an gesperrte Radwege (z, B. war der Emscherstraße-Radweg gesperrt, weil eine Autobahn für Radfahrer gebaut werde (so teilten es uns die Bauarbeiter mit.

Mehrere Schollin-Filialen lagen an unserem Weg. Würde noch jemand an der Schule sein, wenn wir eintrafen? Wie viel Schokolade hatten wir nun eigentlich dabei? Die Kilometer schmolzen dahin, wie man es sich eher von überflüssigen Pfunden wünschte.

Kurz nach 14.00 erreichten wir dann die Luisenschule (nach einer herausfordernden Steigung) wurden freundlichst begrüßt und wollten nun die Schokolade auswiegen. In Ermangelung einer funktionsfähigen Waage planten wir, am Grashof auszuwiegen. Also luden wir nichts ab und setzen unsere Reise fort. Auch am Grashof wurden wir aufmerksam begrüßt. Aber auch hier gab es keine Waage. Wir fuhren also nach Hause und luden ab. Dass es mehr als 30kg waren, ahnten wir schon, als wir die Palette in Amsterdam gesehen hatten. Nun stellte sich heraus, dass es 42 Kilogramm waren. Wir setzten uns an den Tisch und begannen zu sortieren, welche Schokolade in welche Schule gebracht werden musste. Außerdem legten wir fest, welche Schokolade in die Emmaus-Gemeinde gelangen sollte. Nun war die Schokofahrt 2026 also wirklich vorbei.

Aber: Vielleicht wird es ja einen Oktober 2027 geben…

Zurück